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Was ein guter Text kann

Rap-Text schreiben: die drei Grundlagen

Kapitel 1 von 14 · Was ein guter Text kann

Bevor es um Reime geht, geht es um Inhalt. Drei Dinge trennen einen starken Text von einem schwachen. Erstens: zeigen statt behaupten. „Ich war wütend" ist eine Behauptung – der Hörer muss sie dir glauben. „Ich hab den Schlüssel in den Gully geworfen" zeigt es, und er sieht es vor sich. Zweitens: konkret statt allgemein. Wörter wie Sachen, Dinge, schön oder krass hinterlassen kein Bild. Je genauer du benennst, desto glaubwürdiger klingt die Zeile. Drittens: kürzen. Eine Rap-Zeile hat nur wenige Silben Platz. Jedes Wort, das nichts trägt, nimmt einem starken Wort den Platz weg.

Die Begriffe

Zeigen statt behaupten
Das Gefühl nicht benennen, sondern die Handlung oder das Detail zeigen, an dem man es erkennt.
Konkret
Genau benennen statt umschreiben. Nicht „ein Auto", sondern „der silberne Golf von 2003".
Füllwort
Ein Wort ohne Funktion: eigentlich, irgendwie, halt, ziemlich. Probe: streichen. Ändert sich nichts, war es Füllwort.
Bild
Eine Szene, die der Hörer sehen kann. Bilder bleiben hängen, Erklärungen nicht.

Das musst du wissen

Was heißt „zeigen statt behaupten"?
Nicht das Gefühl benennen, sondern die Handlung zeigen, an der man es erkennt. Nicht „sie war sauer", sondern „sie hat dreimal aufgelegt".
Warum ist konkret besser als allgemein?
Konkretes erzeugt ein Bild im Kopf und klingt glaubwürdig. Allerweltswörter wie „Sachen" oder „schön" hinterlassen nichts.
Wie erkennst du ein Füllwort?
Streich es weg. Wenn die Aussage gleich bleibt, war es ein Füllwort.
Warum ist Kürze im Rap besonders wichtig?
Eine Zeile hat nur wenige Silben Platz. Jedes leere Wort nimmt einem starken Wort die Stelle weg.
Was ist an „Sie hatte schöne Sachen an" schwach?
„Schön" und „Sachen" sagen nichts Bestimmtes. Der Hörer sieht nichts vor sich.

Prüf dich selbst

Welche Zeile zeigt, statt zu behaupten?
Ich hab den Schlüssel in den Gully geworfen
Nur die zweite Zeile zeigt eine Handlung. Die anderen benennen das Gefühl und der Hörer muss es dir glauben.
Welche Fassung trägt am meisten?
Ich bin im Sitzen eingeschlafen
Sie zeigt statt zu behaupten, ist konkret und hat kein einziges Füllwort.
In „Ich hab halt eigentlich irgendwie gewartet" – was machst du zuerst?
Die drei Füllwörter streichen
Halt, eigentlich und irgendwie tragen nichts. Weg damit – dann ist Platz für etwas Konkretes.
Warum funktioniert „der silberne Golf von 2003" besser als „ein Auto"?
Weil es konkret ist und ein Bild erzeugt
Nicht die Länge macht es, sondern die Genauigkeit. Der Hörer sieht ein bestimmtes Auto vor sich.

Übungen

01Übung

5 Min.

Schreib drei Zeilen, die zeigen, dass jemand wütend ist – ohne „wütend", „sauer" oder ein anderes Gefühlswort zu benutzen. Nur Handlungen und Bilder.

Tipp: Denk an Kleinigkeiten: Wie stellt jemand eine Tasse ab, wenn er wütend ist? Wie tippt er aufs Handy?

02Übung

5 Min.

Nimm den Satz „Es war ein schöner Abend" und schreib ihn fünfmal neu – jedes Mal konkreter und ohne das Wort „schön".

Tipp: Frag dich bei jeder Fassung: Was genau war schön? Das Licht? Der Lärm? Wer war dabei?

Selbst üben

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